6.3.24 Austritt aus der IGM

Administrator (Reinhard_de) on 06.03.2024

Gestern habe ich meinen Austritt aus der IG Metall erklärt. erklärt. 54 Jahre nach meinem ersten Eintritt.

Gestern habe ich meinen Austritt aus der IG Metall erklärt. 54 Jahre nach meinem ersten Eintritt.

Nach meiner Ausbildung im Handwerk zum Radio- und Fernsehtechniker und dem Abschluss der Lehre mit der Gesellenprüfung arbeitete ich in der Fernsehfabrik Graetz in Bochum -Riemke im Prüffeld. Dort war es üblich, weil großer Industriebetrieb, Mitglied in der IG Metall zu sein. Nicht wegen des Gruppenzwangs, sondern als überzeugter Gewerkschafter trat ich der Gewerkschaft bei.

Während meiner Studienzeit an der FH in Krefeld schloss mich die IGM ohne jede Nachricht wegen Beitragsrückstand aus. Damals waren Studenten in einer Arbeiter-Gewerkschaft nicht gern gesehen.

Nach einem kurzen Ausflug in eine kleine Ingenieursfirma in Stuttgart konnte ich bei HP in Böblingen wieder eine Arbeit in einem großen Konzern aufnehmen. Als Tochtergesellschaft einer USA Firma waren in diesem Betrieb Gewerkschafter nicht gern gesehen. Es gab ein paar wenige Gewerkschafter, die mich ansprachen. So trat ich wieder der IGM bei. Schnell machte ich Kariere in der Gewerkschaft, denn es war immer noch unüblich, dass studierte Angestellte sich einer Arbeiter-Gewerkschaft anschlossen. Das offene Kommunikationsklima bei HP war für mich eine gute Schule für gewerkschaftliche Arbeit. Ich wurde zum Vertrauensmann und in die Vertrauenskörperleitung gewählt. Für kurze Zeit war ich auch Angestelltensprecher der IGM für Böblingen und Stuttgart.

Aus privaten Gründen zog ich um in den Welzheimer Wald. Die Firma AEG in Backnang warb mich von HP ab. Dabei stritten sich Entwicklung und Produktion um meine Fachkenntnisse. Das führte zu einem exorbitanten Gehaltsangebot in der Produktion in Schwäbisch-Hall, das ich natürlich nicht ausschlug. Nach der Probezeit wurde ich wieder für meine Gewerkschaft aktiv, Vertrauensmann und Vertrauenskörper Leiter, Mitherausgeber einer Betriebszeitung, Angestelltensprecher der Verwaltungsstelle, Delegierter zum Gewerkschaftstag usw. Schon nach 6 Monaten nach meinem Arbeitsbeginn im Werk erlebte ich den Konkurs der AEG. Danach folgten 7 weitere Arbeitgeber in ungekündigter Stellung in mehr als 30 Jahren Betriebszugehörigkeit.

Nachdem ich auch mithilfe meiner Gewerkschaft und eines Kollegen die Fertigung im Werk Schwäbisch Hall gegen den Willen der Werksleitung, weil sehr Kosten intensiv, der modernen Technik angepasst hatte, lobte man mich von Schwäbisch-Hall nach Backnang weg. Ich ging gern, weil Backnang deutlich näher an meinem Wohnort lag als Schwäbisch-Hall. Auch in Backnang arbeitete ich zunächst im Prüffeld.

Die alteingesessenen Gewerkschafter der IGM taten sich schwer mit einem in der Gewerkschaftsarbeit engagierten Angestellten. Im Vertrauenskörper und für kurze Zeit auch im Betriebsrat engagierte ich mich für die Interessen meiner KollegInnen. Nachdem ich gegen den Willen der Ortsverwaltung den Gesamtbetriebsratsvorsitzenden zum Verzicht auf sein Amt bewegen konnte (leicht untertrieben formuliert), hatte ich im Betrieb meinen schlechten Ruf weg. Mir wurden Knüppel in den Weg gelegt, die auch die Ortsverwaltung der IGM nicht aus dem Weg räumen wollte. Also musste ich privat gegen meine Benachteiligung klagen. Das war ein Grund für mich, meine Mitgliedschaft in der IGM zu kündigen.

Nachdem sich mein Ärger über die Verwaltungsstelle gelegt und auch das Personal sowohl bei der Gewerkschaft wie in der Geschäftsleitung gewechselt hatte, wurde ich wieder Mitglied der IGM. Aus der einst großen ANT mit mehr als 8.000 Beschäftigten waren etwa 13 kleinere Firmen hervorgegangen. Ich fand mich in einem kleinen Betrieb mit rund 95 Beschäftigten eines Eigentümers aus Italien, Marconi wieder. Dank der ständigen Umstrukturierungen und Eigentümerwechsel gab es viel zu tun für einen Gewerkschafter und Betriebsrat. Mehrere Prozesse gegen die Geschäftsleitung wurden zu Gunsten der betroffenen Kollegen entschieden. Mehrere Massenentlassungen mussten vom Betriebsrat begleitet werden. Eine ereignisreiche Zeit, in der ich mit der Verwaltungsstelle in WN gut zusammenarbeiten konnte. Die Sekretärin Anne Rieger hat uns immer gut beraten und unterstützt.

Diese anstrengende Zeit hat wohl auch ihren Anteil an meinen immer stärkeren gesundheitlichen Problemen. Vier Jahre vor dem eigentlichen Rentenalter konnte ich meiner beruflichen Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr nachgehen. Danach verloren sich auch nach und nach die Kontakte zur Verwaltungsstelle. Nachdem nun in der Leitung der Gewerkschaft mehr für Kriegstüchtigkeit und gegen Resilienz zur Klimakrise gearbeitet wird, lasse ich die Zeit der Mitgliedschaft in der IGM mit schmerzendem Herzen hinter mir.

Mein Kündigungsschreiben (PDF-Datei).


Zum Nachlesen:

https://www.akweb.de/bewegung/burgfrieden-reloaded-in-den-gewerkschaften-wird-ueber-linken-bellizismus-diskutiert/

https://www.labournet.de/branchen/ruestung/ig-metall-spd-wirtschaftsforum-und-bdsv-fordern-gemeinsam-heimische-verteidigungsindustrie-zukunftsfaehig-machen/

https://taz.de/Klimapolitik-der-Gewerkschaften/!5810330/

https://muth-ah.de/pages/topics/22.1.-eigene-vortraege-zum-klimaschutz.php
Dort ist mein Vortrag zu Militär und Klima zu finden.

https://muth-ah.de/pages/gesellschaft/frieden.php

https://muth-ah.de/pages/klima_und_umwelt.php

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